theorie


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Theory [θɪri] (noun); Theorie

 

Theorie ist eine Überlegung, eine Spekulation, das Resultat gründlicher Studien, eine persönliche Meinung, die ein Individuum reflektieren. Es bedeutet auch die persönliche Erkundung einer Situation, eines Anblickes, eines Ortes. Die ersten „Theoretiker” (θεωροί [theori]) waren laut Ulmer „Touristen“. Er schreibt, dass für Herodotus der Zweck von Solons Reise nach Lydien die Theoria war: die Besichtigung von Sehenswürdigkeiten, das eigene Seherlebnis, Erwerb einer eigenen Weltanschauung. Theoretiker wurden die gesetzgebenden Vertreter eines Staates genannt, deren Aufgabe es war, θεωρία bereitzustellen.

 

Das Infinitiv θεωρείν [theorin] besteht aus zwei Teilen: θέα und οράωΘέα [thea] (vgl. Theater) bedeutet einerseits Ausblick, Blick, anderseits auch der Anblick, der Aspekt, in dem sich etwas selbst präsentiert. Οράω [horao] bedeutet etwas zu sehen, etwas genau zu betrachten, zu erleben und zu beobachten. Θεωρικά [theorika] war der Betrag, den die alten Griechen zahlen mussten, um ein Theaterstück zu besuchen.

 

Θεωρείο [theorio] bedeutet Balkon bzw. Gallerie, von der man die Bühne überblicken kann. Als Zuschauer wird man in dem Sinn zum ‘’theoros’’, indem man beobachtet, teilnimmt, den performativen Prozess aus einer bestimmten Sichtweise heraus interpretiert, und durch dieses Mitwirken wird man zum Teil der Ontologie der Aufführung. Dieser körperlich-erlebte Eindruck scheint im Schaffungsprozess einer Performance-Theorie essentiell für ein mögliches Überwinden der Trennung zwischen einem logozentrischen Fokus von Theorie und einer praxisorientieren Performance Welt.

 

Autor und Übersetzer: Anna Tsichli Boissonnas